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Vita Ein Portrait von Massimiliano Valente und Angela Molteni Übersetzung von Monika Lustig
LITERARISCHE
ERFAHRUNGEN.
"Es war eine schreckliche Zeit in meinem Leben. Ich kam aus der fernen Welt des ländlichen Friauls nach Rom, wo ich über Jahre arbeitslos war und von allen ignoriert wurde; in meinem Innern wütete der Schrecken darüber, nicht so zu sein, wie das Leben es wollte; verbissen arbeitete ich an harten und schwierigen Studien; ich war unfähig zu schreiben, ich war nur imstande, mich zu wiederholen, in einer veränderten Welt. Ich möchte nicht wiedergeboren werden, um bloß nicht diese zwei oder drei Jahre noch einmal durchleben zu müssen." (12) "In den ersten Monaten des Jahres 1950 war ich in Rom zusammen mit meiner Mutter: Mein Vater traf fast zwei Jahre später ein, und von Piazza Costaguti zogen wir dann um in das Viertel bei Ponte Mammolo; bereits 1950 hatte ich die ersten Seiten von Ragazzi di vita zu Papier gebracht. Ich hatte keine Arbeit und befand mich in einer wahrlich verzweifelten Lage: Ich hätte darin auch meinen Tod finden können. Mit Hilfe des Dichters Vittorio Clemente (der im Abruzzendialekt schreibt) fand ich eine Anstellung als Lehrer in einer Privatschule in Ciampino für fünfundzwanzigtausend Lire Monatssalär." (13) In diesen Jahren schreibt er an Silvana Ottieri: "Eine Sache will mir nicht in den Kopf und passt nicht in die Abrechnung, die zwischen mir und dem, der mich bestraft, stattfindet − und das ist das Schicksal meiner Mutter. Ich will dir hier nicht viel dazu schreiben, denn schon stehen mir die Tränen in den Augen. Sie hat Arbeit bei einer Kleinfamilie (Vater, Mutter, zweijähriges Kind) gefunden: Heldenhaft und ohne großes Aufheben zu machen − mir stockt der Atem, ich kann es dir gar nicht sagen − hat sie dieses neue Leben hingenommen. Ich besuche sie jeden Tag und führe an ihrer Stelle das Kindchen spazieren, um ihr damit eine kleine Hilfe zu sein: Dann gibt sie sich alle erdenkliche Mühe, um zufrieden und frohgemut zu wirken: Gestern war ihr Geburtstag, wenn du wüsstest, wie sie sich aufgeführt hat...." (14) Der Vater ist krank, und nach den Ereignissen in Casarsa hat sich der Konflikt zwischen ihm und dem Sohn noch zugespitzt: "Zwei Jahre zähen Ringens, puren Kampfes: und mein Vater ist noch immer dort abwartend, allein in dem ärmlichen Küchlein, mit den Ellenbogen stützt er sich auf den Tisch, sein Gesicht ist gegen die geballten Fäuste gepresst, unbeweglich, verbittert, voller Schmerz; er erfüllte diesen kleinen Raum mit der Größe, die von sterbenden Körpern ausgeht." (15) Statt die Literaten, mit denen Pasolini bekannt ist, um Hilfe anzugehen, versucht er aus Schamgefühl, auf eigene Faust eine Arbeit zu finden. Er klopft bei Filmproduktionen an und erhält eine Statistenrolle in Cinecittà; überdies korrigiert er Manuskripte und bietet die Bücher in seinem Besitz auf den Stadtteilmärkten zum Verkauf feil. In diesen Jahren überträgt Pasolini − in einer Art literarisch−biografischer Transfert − die Verherrlichung des Friulanischen Landlebens in den ungeordneten Kontext der römischen Vorstadtviertel, gesehen als Mittelpunkt der Zeitgeschichte; darauf gründend setzt ein schmerzlicher Reifungsprozess bei ihm ein: Der Mythos des römischen Subproletariats ist geboren. "Seit zwei oder drei Jahren
lebe ich in einer Welt, die ganz "anders" schmeckt: Als eine Art Fremdkörper
und als solcher von dieser Welt definiert, passe ich mich Schritt für
Schritt in langsamer Bewusstwerdung an. Im Innern hin und her gerissen
zwischen Ibsen und Pascoli (um das einmal deutlich zu sagen) lebe ich hier
ein Leben, das ganz aus Muskeln, aus Körperlichem besteht, umgestülpt
wie ein Handschuh, das sich immer wie in einem dieser Lieder offenbart,
die ich einst verabscheute, nämlich bar jeglicher Gefühlsduseligkeiten,
in menschlichen Organismen, die derart sinnlich wirken, dass sie bereits
abgestumpft erscheinen; wo christliche Verhaltensweisen wie Vergebung,
Unterwürfigkeit usw. gänzlich unbekannt sind ... und der Egoismus legitime,
männliche Gestalt annimmt.
1954 gibt Pasolini den Lehrerberuf auf und lässt sich im römischen Stadtviertel Monteverde Vecchio nieder. Er veröffentlicht seinen ersten bedeutenden Gedichtband: La meglio gioventù; in Dialekt. |
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